„Schwebender Stein“: Kunstwerk aus ARTogether-Ausstellung findet neues Zuhause
05. November 2026Nürnberg – Ein Kunstwerk, das für Leichtigkeit steht und zugleich eine persönliche Geschichte erzählt: Am 29. Oktober wurde das Bild „Schwebender Stein“ der Künstlerin Shabnam Zamani im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge (PSZ) Nürnberg offiziell übergeben. Brüdersenior und Vorstand der Rummelsberger Diakonie, Diakon Peter Barbian, hatte das Werk aus der siebten Jahresausstellung des integrativen Kreativprojekts ARTogether erworben – bereits zum zweiten Mal entschied er sich für ein Kunstwerk aus der Ausstellung. Bei der Übergabe waren neben Peter Barbian und Künstlerin Zamani auch Kunsttherapeutin Gabriele Wehr sowie Elke Schütz, Teilnehmerin und Honorarkraft des offenen Ateliers von ARTogether, dabei.
Begeisterung für ein lebendiges Symbol
Das Bild „Schwebender Stein“ entstand 2026 im Rahmen der Kleingruppenarbeit mit Kunsttherapeutin Wehr. Zu sehen war es in der siebten Jahresausstellung von ARTogether, die am 7. Oktober 2026 unter dem Motto „Wenn Bilder Geschichten erzählen“ in der St. Martha Kirche in Nürnberg eröffnet wurde.
„Das Projekt ARTogether ist für mich seit Beginn etwas ganz besonders, weil es den traumatisierten Menschen jenseits der Sprache einen Ausdruck ermöglicht“, so Barbian. Der Rummelsberger Vorstand weiter: „Kunst ist kulturübergreifend und in der Kunst kann ich mich auch ohne Worte ausdrücken.“ Über das Werk von Zamani sagt er: „Das Bild hat mir besonders gut gefallen, ich mochte die Farben, das Format und das Motiv.“ Für ihn tauchen beim Anblick Bilder von einer Felsformation oder einem Eisberg auf. „Als ich den Titel ‚Schwebender Stein‘ las, fand ich diesen herrlich lebendig.“
Auch weitere Arbeiten der Ausstellung beeindruckten ihn, darunter ein Werk aus drei Gemälden mit arabischen Schriftzügen auf unterschiedlichen Farbhintergründen. Es sind die drei positiven Affirmationen des Künstlers Ahmed, die lauten „Sei du selbst!“, „Du schaffst das!“ und „Sei mutig!“.
Kunst schafft Ausdrucksmöglichkeiten jenseits der Sprache
Shabnam Zamani stammt aus dem Iran und lebt seit 2004 in Deutschland. 2023 sang sie bei der Eröffnungsfeier der ARTogether-Jahresausstellung. Anschließend schloss sie sich dem Kreativprojekt an: zunächst in einem Tandem, später in einer Kleingruppe. Für sie ist das kreative Arbeiten eine wichtige Möglichkeit, Abstand vom Alltag zu gewinnen und eigene Gedanken und Gefühle auszudrücken: „Es tut so gut, sich malerisch oder anders kreativ zu beschäftigen, man kann abschalten und die Gedanken in die Kunst fließen lassen. Damit können wir uns ausdrücken und mitteilen, auch wenn wir die deutsche Sprache noch nicht gut beherrschen.“
Begegnungen und Verbindungen, die bleiben
Besonders schätze sie die Stille, in der die Teilnehmenden sich selbst begegnen können. In den drei Jahren, in denen sie dabei ist, habe sie immer wieder erlebt, wie die Werke traumatisierter Menschen nach und nach lebendiger werden. Auch der Titel ihres Bildes hat für sie eine persönliche Bedeutung: „Der schwebende Stein ist ein Bild, das zu mir und auch in unsere aktuelle Welt passt: Ein großer schwerer Stein, der aber eben auch Leichtigkeit haben kann. ARTogether bringt etwas von dieser Leichtigkeit in unsere verletzten Seelen zurück.“
Kunsttherapeutin Gabriele Wehr betont, wie das gemeinsame kreative Arbeiten die Menschen verbindet: „Kunst kann ausdrücken, was man nicht sagen kann.“ Dabei spiele aber durchaus auch der sprachliche Austausch eine wichtige Rolle. Die Künstler*innen freuen sich, miteinander ins Gespräch zu kommen und anderen mitzuteilen, was ihre Werke ausdrücken sollen. Bei ARTogether gehört der Austausch dazu, es entstehen Begegnungen und Freundschaften.
ARTogether endet – Suche nach Fortsetzung läuft
Seit Anfang 2020 konnten Menschen mit und ohne Fluchthintergrund im ARTogether Atelier gemeinsam kreativ werden. Begleitet wurden sie von Projektleiterin Dr. Jelena Hoghe und Kunsttherapeutin Gabriele Wehr. Ab 2024 kamen verschiedene Gruppenangebote und Projekte mit Partner*innen in Nürnberg hinzu, darunter die Technische Universität Nürnberg, der Fischer Kulturladen und das Klinikum Nord. ARTogether ist Teil des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge (PSZ) Nürnberg und wurde von Aktion Mensch gefördert.
Mit dem Ende der aktuellen Förderung durch Aktion Mensch läuft ARTogether zum Jahresende aus. Aktuell wird nach einem Förderer gesucht, um ab 2027 ein neues Projekt durchführen zu können, das ebenfalls kreativen Ausdruck ermöglicht.
Was bleibt, sind unzählige Begegnungen, kreative Erfahrungen und Verbindungen zwischen Menschen, die weit über das gemeinsame künstlerische Arbeiten hinausreichen. Peter Barbian nimmt aus dem Projekt zwei wunderbare Kunstwerke mit. Das frisch erstandene Gemälde wird der Vorstand und Brüdersenior in seinem Wohnzimmer aufhängen: „Dort hängen bereits ein Bild von einem afrikanischen Künstler aus seiner Zeit in Tansania und ein Foto von einem arabischen Kunstfotografen. Ich finde da passt es gut dazu.“